| Als sich langsam zeigte, daß mein
alter Prelude 2.0EX ersetzt werden muß, habe ich mich
für einen gebrauchten Prelude 2.2VTi (VTEC)
Bj.98 entschieden und das bis jetzt nicht bereut.
Natürlich war die Meßlatte durch den alten
Prelude schon recht hoch gelegt. Ich war
jahrelang sehr zufrieden und habe ja nur
gewechselt, weil der alte schon sehr viele
Kilometer und Jahre auf dem Buckel hatte. Das Design
Als ich den neue
Prelude 1997 zum ersten mal sah, fand ich ihn
nicht besonders ansprechend. Von hinten gefiel er
mir schon ganz gut, aber die Frontansicht war
sehr gewöhnungsbedürftig. Inzwischen habe ich
meine Meinung grundlegend geändert. Sicher sieht
der neue Prelude nicht aus wie ein reinrassiger
Sportwagen a la Ferrari, Porsche oder (um bei
Honda zu bleiben) der NSX. Auf den ersten Blick
ist er ziemlich unauffällig und vielleicht sogar
etwas bieder.
Betrachtet man ihn
aber genauer, dann erschließt sich einem
(vielleicht) die Gestaltungsidee. Er verbindet
die klassischen Designmerkmale von japanischen
Autos (z.B. Heckgestaltung) mit neuen eigenen
Ideen. Außerdem enthält der neue Prelude
unheimlich viele Ähnlichkeiten zu seinen 4
Vorgängergenerationen. Mir persönlich fiel das
zum ersten mal auf, als ich meinen alten 88er
Prelude neben diesem Modell stehen sah. Man
erkennt ziemlich schnell die Ähnlichkeit der
Frontpartien dieser beiden Autos. Oder man nehme
die Seitenansicht, in der man auch den alten
Prelude von '79 wiederentdecken kann.
Und mit breiter
Bereifung auf schönen Alufelgen und einer
leichten Tieferlegung hat er dann auch seinen
sportlichen und überlegenen Auftritt im
Rückspiegel von so manch anderem Autofahrer. Ich
persönlich bin kein Fan von solchen
Tuningaktionen und mir genügt das
Standard-Outfit meines 2.2VTi (mit
16-Zoll-Felgen, 205er Bereifung und Heckspoiler;
bei einem Gebrauchtwagen kann man sich das nicht
aussuchen). Eine Warnung möchte ich an dieser
Stelle an die Tieferlegungsfreunde richten: Mit
der Frontschürze, die der 2.2VTi serienmäßig
dran hat, kommt man ohne Tieferlegung noch in
jede Tiefgarage. Mit Tieferlegung kann man sich
das (jedenfalls ohne aufzusetzen) abschminken.
Unverständlich
ist mir, daß Honda dieses Auto nur in drei
Farben anbietet. Man bekommt es in schwarz,
silber metallic oder rot. Das kleinere
Schwestermodell 2.0i kann man immerhin
zusätzlich noch in blau und grün haben.
Die
Technik
In Sachen Motor,
Getriebe, Fahrwerk, Bremsen hat sich in den
letzen 10 Jahren natürlich eine Menge getan.
Viele positive Dinge von meinem alten 88er
Prelude fand ich im 2.2VTi wieder: z.B. die
adaptive Servolenkung oder das sehr gut
abgestimmte Automatikgetriebe, jetzt sogar mit
"Tiptronic" (die Gänge werden manuell
geschaltet).
Besonders augenfällig werden die
Unterschiede beim Motor. Er schöpft seine
maximal 185 PS aus 2.2 Litern Hubraum und
verwendet dabei die VTEC-Technologie. Ab etwa
5.500 Umdrehungen pro Minute wird auf ein
"schärferes" Nockenwellenprofil
umgeschaltet, was man beim Beschleunigen wie
einen Nachbrenner zu spüren bekommt. Allerdings
wirkt sich das auch auf den Spritverbrauch aus,
aber dazu später mehr. Die Geräuschkulisse des
Motors ist ebenfalls stark drehzahlabhängig. Im
unteren Bereich, gerade im Stadtverkehr und auf
der Landstraße, hört man vom Motor nicht viel
mehr als ein leichtes Brummeln. Oberhalb von
4.000 U/min bekommt er aber einen bissigen
Unterton und spätestens ab der
VTEC-Drehzahlgrenze ist es ein Geräusch, das man
eher dem Rennsport zuordnen würde. Wünsche
läßt das Aggregat, jedenfalls für mich als
Otto-Normal-Verbraucher, nicht offen. Leistung
gibt es in jeder Situation genug und bei nicht
allzu sportlicher Fahrweise ist der
Geräuschpegel relativ niedrig.
Die Automatik mit
"Tiptronic" fährt sich, wie oben schon
erwähnt, sehr angenehm und berechenbar. Bei
ruhiger Fahrweise schaltet sie ziemlich schnell
in höhere Gänge und hält damit die Drehzahl in
niedrigen Bereichen. Die Tiptronic habe ich bis
jetzt noch nicht auskosten können. Meine
Versuche, sie im normalen Betrieb (Stadt,
Autobahn, gerade Landstraße) einzusetzen,
brachten wenig Fahrspaß. Das sieht im Gebirge
bzw. auf kurvenreichen Landstraßen sicher anders
aus. Vermutlich würde ich sie aber auch dort
nicht vermissen. Ein Problem ist das aber
trotzdem nicht, denn die Automatik enthält diese
Funktion serienmäßig, kostet also nix extra.
Mein erster
Kritikpunkt betrifft das Fahrwerk. Ich
persönlich würde hier gerne die Uhr um zehn
Jahre zurückdrehen und meinen alten 88er Prelude
wiederhaben. Bei dem war die Federung sehr
ausgewogen; straff genug, um sportlich zu fahren,
aber auch komfortabel genug, um angenehm zu
reisen. Beim 2.2VTi stand wohl mehr das
Sportliche im Vordergrund. Das Fahrwerk er ist
sehr straff geraten, kurze Stöße gibt es direkt
an die Passagiere weiter und die Hinterachse
neigt dabei sogar dazu, seitlich zu versetzen.
Andererseits ist die Kurvenlage ausgezeichnet.
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Die Karosserie neigt sich nur
sehr wenig und man hat immer das Gefühl, daß
das Auto genau das macht, was man von ihm
verlangt. In diesen Grenzbereichen bewege ich das
Auto aber praktisch nie und daher stört mich
eher der kleine Mangel an Komfort. Seit Ende der 80er Jahre
gibt es im Prelude (gegen Aufpreis) eine
Allradlenkung "4WS". Bei geringem Tempo
(bis 30km/h) lenken die Hinterräder per
elektrischem Stellmotor gegen die Lenkrichtung
der Vorderräder und verkleinern damit den
Wendekreis erheblich. Wenn man sich erst mal
daran gewöhnt hat wird damit das Ein- und
Ausparken sowie das Wenden zum Kinderspiel.
Ungeübt kann es einem allerdings passieren, daß
man beim Rangieren plötzlich gar nicht da
ankommt, wo man eigentlich hin wollte. Meine
These: Die mit "4WS" ausgestatteten
Preludes erkennt man an leicht beschädigten
Heckschürzen und verkratzten Hinterradfelgen (so
wie meinen; mein Vorbesitzer hat sich da
verewigt). Besonders kritisch ist es, wenn man
z.B. in engen Parkhäusern rechts und links dicht
zugeparkt wurde und rückwärts eingeparkt hat.
Das Heck schwenkt aus!
Der Innenraum
Im Prelude 2.2VTi
kann man sich schnell zu Hause fühlen. Die
Instrumente und Bedienelemente sind
übersichtlich angeordnet und gut erreich- bzw.
ablesbar. Lediglich der Schalter für die
Nebelschlußleuchte ist völlig unpraktisch und
nicht einsehbar plaziert (links, ziemlich tief).
Die Oberflächen sind in schwarzem Kunststoff
gearbeitet und Wurzelholzimitat in der
Mittelkonsole vermittelt eine gewisse Wertigkeit.
Die Sitze sind straff und bequem und bieten einen
guten Seitenhalt, die Mittelarmlehne vorn
komplettiert den guten Eindruck. Es gibt
ausreichend Staufächer. Positiv: Das
Handschuhfach ist groß genug, um eine (nicht zu
dicke) Straßenkarte in Buchform aufzunehmen. Auf
den beiden Plätzen im Fond geht es
Coupé-typisch sehr eng zu. Trotzdem dürfte es
auch für die hinten mitreisenden Passagieren ein
angenehmes Fahrerlebnis werden, denn auch diese
Sitze sind gut ausgeformt und Honda hat sogar
einen Dosenhalter für den linken Rücksitz
spendiert.
An weiteren
Ausstattungsmerkmalen bietet Honda im 2.2VTi ein
Glasschiebedach und Fensterheber (beides
elektrisch), manuelle Klimaanlage, Airbags für
Fahrer und Beifahrer, Zentralverriegelung mit
Funkfernbedienung und ein Lederlenkrad, das auch
gleich die Bedienelemente für den
serienmäßigen Tempomaten enthält. Auf Wunsch
kann man natürlich auch eine komplette
Lederausstattung ordern.
Was ich
schmerzlich vermisse, ist die Memoryfunktion aus
meinem alten 88er Prelude, die den Fahrersitz
nach dem Vorklappen in die zuletzt gemerkte
Position wiedereinrasten ließ. Im aktuellen
Modell kann man zwar auch den Sitz gleich mit
verschieben, aber nach dem Zurückklappen muß
man alles wieder neu einstellen. Das ist
besonders lästig, da ich das aus dem alten
Modell anders kenne. Und noch ein Kritikpunkt:
Das Fahrgeräusch dringt von außen sehr stark
durch. Die gerade noch erträglichen
Windgeräusche sind das eine, aber dazu kommen
noch die sehr lauten Yokohama-Serienreifen, die
das positive Bild ein wenig trüben.
Im Kofferraum geht
es für ein Coupé recht geräumig zu. Der Platz
ist zwar durch die Radkästen recht zerklüftet
und die Ladekante ziemlich hoch, aber für das
Reisegepäck von zwei Personen reicht es völlig
aus. Unter der Bodenabdeckung findet man das
Notrad. Für Warndreieck und Sanikasten gibt es
Riemen zum Befestigen.
Die
Zahlen (*)
Der Verbrauch
hält sich bei mir bislang in Grenzen. Bei
gemischtem Stadt und Langstreckenbetrieb liege
ich derzeit bei etwa 9.7 Liter Super je 100 km.
Allerdings vermeide ich möglichst die magische
Drehzahlmarke von 5.000 U/min, da das Auto dann
gut 2-4 l/100km mehr konsumiert. So wurde es mir
jedenfalls von meinem Vorbesitzer angekündigt.
Für die Autobahn bedeutet das aber keine große
Einschränkung, da das einem Tempo von über
170km/h entspricht. Die Steuern belaufen sich
derzeit auf 264 DM (12DM je 100ccm), die
Haftpflichtversicherung kostet pro Jahr ca.
1200DM (bei 100%), Teilkasko bei 300DM
Selbstbeteiligung etwa 530 DM.
Zu den
Werkstattkosten kann ich (zum Glück) noch keine
Angaben machen. Bei mir läuft er bislang sehr
zuverlässig. Die kleinen Durchsichten (alle
10.000km) bestehen praktisch nur aus einem
Ölwechsel, alle 20.000km wird es dann etwas
teuerer (vermutlich zwischen 300 und 600DM;
bisher hatte ich noch keine solche Durchsicht).
Wer dieses Auto
gebraucht kauft, sollte übrigens klären, ob es
bereits eine Rückrufaktion mitgemacht hat. Bei
den aus Österreich importierten Autos mußte das
Automatikgetriebe getauscht werden. Welche
Baujahre das betrifft, kann ich nicht genau
sagen. Die Honda-Werkstatt sollte es aber wissen.
Fazit
Dieses Auto
vermittelt dank seiner ausgefeilten Technik und
des sportlichen Fahrwerks ein überlegenes
Fahrgefühl und sehr viel Fahrspaß. Die
Verarbeitung ist hondatypisch grundsolide und
sehr gut. In manchen Punkten wurde, verglichen
mit den Vorgängermodellen, merklich gespart,
aber der Gesamteindruck ist dennoch
uneingeschränkt positiv. Schade, daß Honda
dieses Auto in Deutschland nicht mehr anbietet.
(*) Stand 2001
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