"Meinen Honda Prelude
2.0 EX (Bj. 88, Typ BA4), habe ich 1993 gebraucht
gekauft und kann mich nun nur sehr schwer von ihm
trennen. Dieses Auto ist einfach genial. So alt,
wie dieser Typ inzwischen ist, hat er doch viele
gute Eigenschaften, die man bei aktuellen
Modellen vergebens sucht.- Emotionen -
Samstag, 4 Uhr
morgens. Die Nacht ist tiefschwarz. Ich steige,
nein sinke, in meinen Prelude und die Fahrertür
fällt mit einem satten "plupp" ins
Schloß (das erste Geräusch, daß ich nie
vergessen werde). Der Motor springt nach den
ersten Umdrehungen des Anlassers, wie immer,
sofort an. Sein brummeln klingt vertraut (das
zweite Geräusch, daß ich nie vergessen werde).
Licht an. Die Klappscheinwerfer gehen mit einem
kurzen Sirren auf (das dritte Geräusch, daß ich
nie vergessen werde). Nun noch die Automatik auf
"D" und die Reise kann beginnen. Vor
mir liegen 500 km Autobahn, die ich in etwa 5
Stunden geschafft haben will.
Nach 15 Minuten,
ich bin gerade die ersten Kilometer auf der fast
leeren Autobahn gefahren, ist der Motor richtig
warm. Das Fernlicht bohrt seine Leuchtfinger weit
in die Nacht. Ich schalte das Radio ein. Sie
spielen gerade "Catch me, I'm
falling...". Ich drücke meinen Rücken in
den Sportsitz und gebe Gas ...
- Etwas sachlicher -
Wer diesen Prelude
beschreiben will, kann nicht ohne Emotionen
auskommen. Das Auto ist eines der besten Stücke
japanischer Autobaukunst. Und das meine wirklich
so. Mal zu den technischen Daten: 2-Liter-Motor
(109 PS), 4 Zylinder mit elektronisch geregeltem
Doppelvergaser, dazu geregelter Kat. Eine
adaptive Servolenkung, die bei geringem Tempo
sehr leichtgängig ist, bei höheren
Geschwindigkeiten schwerer geht. Scheibenbremsen
vorn und hinten. Das Fahrwerk ist im
Serienzustand (wie bei meinem Auto) straff genug
für sportliches Fahren, aber auch bequem genug
für's Reisen. Der niedrige Schwerpunkt
garantiert in jeder Fahrsituation gute
Bodenhaftung. Da braucht es normalerweise keine
Tieferlegung und extreme Breitreifen. Mein
Prelude hat außerdem eine 4-Gang-Automatik, die
sehr angenehm und berechenbar schaltet.
Im Innenraum
bietet der Prelude hervorragende Sportsitze mit
gutem Seitenhalt. Der Fahrersitz hat sogar eine
mechanische Memoryfunktion, so daß er nach dem
Umklappen wieder in die gemerkte Position
einrastet. Das hat nicht mal der aktuelle
Prelude. Alle Schalter und Instrumente sind
funktionell und gut erreichbar. Es gibt
ausreichend Ablageflächen und Staufächer. Auf
den hinteren Sitzen geht es freilich sehr beengt
zu, aber das ist von einem Coupé auch kaum
anders zu erwarten. Außerdem gibt es hinten nur
Beckengurte, was sich nach der Geburt unseres
Sohnes störend bemerkbar machte. Die Babyschale
konnten wir nur vorn korrekt befestigen. Also
mußte hinten für teuer Geld noch ein
Dreipunktgurt nachgerüstet werden. Trotz des
damals schon hohen Fahrzeugalters (10 Jahre) bei
Honda kein Problem.
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Der Kofferraum ist für ein
Coupé erstaunlich groß. Ich hab keine
Literzahlen im Kopf, aber einen Kinderwagen
(zerlegt) mitsamt Gepäck für 2 Wochen haben wir
ohne Probleme reinbekommen. Für sperriges
Transportgut kann man die Rücksitzlehne
umklappen und durchladen. Ich habe z.B. in diesem
Auto auch schon 2 komplette Billy-Regale
(allerdings unverpackt) transportiert.Zurück zu den Fakten. Das
Auto ist im Unterhalt nicht ganz billig. Zu den
Durchsichten sollte man regelmäßig fahren. Bei
Honda kostet eine kleine Durchsicht (idR.
Ölwechsel) ca. 160DM und eine große Durchsicht
zwischen 300 und 800DM, je nach Aufwand und
km-Stand. Der Zahnriemen muß alle 100.000km
gewechselt werden, was ebenfalls mit ca. 600DM
zubuche schlägt. Steuern 264DM, Haftpflicht (bei
100%) ca. 1200DM pro Jahr. Der Spritverbrauch
liegt bei knapp 10 Litern Super je 100km. Auf
Langstrecken unter 150km/h kann das aber auch
deutlich weniger sein (mein bester
Langstreckenverbrauch lag bei 8,1 l/100km).
Was alles so
kaputt ging (wohlgemerkt, mein Prelude ist
bereits 13 Jahre alt und hat 230.000km auf dem Tacho): Inzwischen
schon zwei mal der Thermostat, einmal die
Antriebswelle links, sowohl Innen-, als auch
Außengelenk (ist bei dem Auto eine große
Schwachstelle; bei der langsamer Fahrt auf
Tackergeräusche bei vollem Lenkradeinschlag
achten), Querlenker hinten rechts,
Temperatursensor fürs Kühlmittel, Lambda-Sonde
und beide Bremssättel hinten (das war das
Teuerste mit insgesamt 2000DM). Ansonsten die
üblichen Kandidaten wie Auspuffmittel- und
Endrohr, Bremsen vorn und hinten, Verteilkappe
und Zündkabel usw. Nun ja, wie schon angedeutet
verteilt sich das alles auf über 170.000 km,
daher meine ich, daß es im vertretbaren Rahmen
liegt.
Falls jemand von
Euch vor hat, solch ein Auto zu kaufen, würde
ich als Grenze bei der Kilometerleistung die
180.000km sehen. Ab da fing es an teuer und
nervig zu werden. Besonders achten sollte man auf
die Antriebswellen, da das schnell ins Geld geht
(und man hört es so gut bei der Probefahrt).
Und was wird aus meinem geliebten
Prelude? Er hat jetzt 230.000km auf dem Tacho,
ist 13 Jahre alt und es wurde nun doch Zeit für
etwas Neues. Natürlich ist es wieder ein
Prelude, diesmal das aktuelle Modell. Der alte
steht derweil draußen zum Verkauf.
Ich muß sogar
zugeben, daß ich bei manchen Dingen meinen alten
Prelude besser fand, z.B. in Sachen
Rollgeräusche und Fahrwerksabstimmung, aber es
geht doch nichts über ein (fast) neues Auto mit
Klima, allem elektrischen und fahrtechnischen
Schnickschnack und viiiiiel mehr PS. Ich sage
nur: 2.2 VTEC ..."
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