aus dem
Englischen übersetzt von msx2plus, Deutschland
Quelle: StopTech LLC
Mythos Nummer 1:
Bremsen rubbeln und vibrieren aufgrund von Scheiben,
die sich bei übermäßiger Hitze verzogen haben.
Der Begriff
"verzogene Bremsscheibe" wird im Motorsport
seit Jahrzehnten gerne verwendet. Wenn ein Fahrer
davon berichtet, daß Vibrationen bei starken
Bremsungen auftreten, diagnostiziert unerfahrenes
Personal häufig "verzogene Bremsscheiben",
nachdem Risse zwar gesucht aber nicht gefunden
wurden. Die Dicke der Scheibe wird dann an mehreren
Stellen vermessen, man erhält auch deutlich
unterschiedliche Meßwerte und damit wird die
Diagnose "in Stein gemeißelt".
Als es zum ersten Mal
Scheibenbremsen für Hochleistungsfahrzeuge gab,
haben wir auch von verzogenen Bremsscheiben bei
Straßenfahrzeugen gehört, was auf der selben
Analyse und Diagnose basierte. Typischerweise wurden
die Scheiben nachbearbeitet, um das Problem zu
beseitigen und, ebenso typisch traten Rubbeln und
Vibrationen nach relativ kurzer Zeit wieder auf.
Bremsen-Rubbeln hat bei einer großen Anzahl von
Autos dazu geführt, daß sie vom Hersteller zurück
gekauft wurden wegen der "Lemon Laws"
(Zitronen-Gesetze?) So geht das seit Jahrzehnten und
wie so oft bei Dingen, die in Stein gemeißelt sind
war die Diagnose falsch.
Ich selber habe in 40
Jahren Profi-Rennsport noch nie eine verzogene
Bremsscheibe gesehen, jedoch unter der Annahme, daß
die Radflansche eben sind und in sich in gutem
Zustand befinden und daß sich ferner die
Radschrauben oder sonstigen Befestigungsteile
ebenfalls in gutem Zustand befinden und auf die
korrekte Art mit der richtigen Reihenfolge und dem
vorgeschriebenen Drehmoment angezogen sind. Dafür
habe ich viele gerissene Scheiben gesehen, solche,
die sich bei Betriebstemperatur in flache Kegel
verwandelt hatten, weil sie sehr steif an ihren
Flanschen befestigt waren, einige bei denen die
Reibungsfläche zwischen den inneren Radialstegen
zusammengebrochen war und unzählige Exemplare, bei
denen das Material der Beläge ungleichmäßig auf
der Reibfläche verteilt war - seltener sichtbar als
unsichtbar . In Wahrheit hat sich jede angeblich
verzogene Scheibe als eine solche wie im letzten Fall
beschrieben entpuppt. Diese ungleichmäßige
Ablagerung hat Unebenheiten oder Beschädigungen
wegen örtlicher Überhitzung zur Folge.
Um zu verstehen, was
hier los ist, werden wir einen kurzen Exkurs in das
Naturell der Verzögerungskraft einer
Scheibenbremsanlage unternehmen.
Das Phänomen
der Bremsreibung:
Reibung ist ein Vorgang, der Bewegungsenergie in
Wärme umwandelt. Ebenso wie bei der Reibung zwischen
Reifen und Fahrbahn, die von Kohäsion und Adhäsion
des Gummis auf der Fahrbahn geprägt ist, gibt es
zwei sehr verschiedene Arten der Bremsreibung:
Abnutzung und Anhaftung. Im ersteren Fall lösen sich
die kristallinen Strukturen sowohl der gußeisernen
Scheibe als auch des Bremsklotzbelags. Beim
ständigen Aufbrechen dieser Bindungen (häufiger im
Belag und weniger in der Scheibe) entsteht Wärme.
Dabei nutzt das härtere Material das weichere ab
(hoffentlich die Scheibe den Belag).
Bremsklotzbeläge, die hauptsächlich auf Abrasion
ausgelegt sind, nutzen sich schnell ab und zeigen
Fading bei hohen Temperaturen. Wenn diese Beläge
ihre Temperaturgrenze erreichen, werden sie in
ungleichmäßiger und willkürlicher Manier Teile
ihres Materials auf der Scheibe ablagern. Und genau
das, was da von der Scheibenoberfläche
"aufgesammelt" wird, verursacht die
unterschiedlichen Meßwerte der Scheibendicke und das
Rubbeln oder Pulsieren beim Bremsen, von dem die
Fahrer berichten.
Bei der
Anhaftungs-Reibung diffundiert ein Teil des
Belagmaterials durch die Grenze zwischen Klotz und
Scheibe, wobei eine sehr dünne, gleichmäßige
Schicht aus Belagmaterial auf der Oberfläche der
Bremsscheibe gebildet wird. Da nun beide Reibflächen
mehr oder weniger aus dem selben Material bestehen,
können Partikel diese Grenze in beide Richtungen
überschreiten und Bindungen können aufbrechen oder
neu entstehen. Dieser Prozeß findet immerfort statt,
weil die Grenze an sich zwischen der Klotz- und der
Belagoberfläche einen fließenden Übergang
darstellt.
Beim Bremsen gibt es
keine Reibung die allein aus Abnutzung oder Anhaftung
entsteht. Bei vielen heutigen Belagzusammensetzungen
muß sich das Material genug abnutzen können, um die
Scheibenoberfläche glatt und sauber zu halten. Da es
sich um eine Materialübertragung handelt, wird die
Schicht auf der Scheibe ständig erneuert und
gleichmäßig gehalten - aber nur solange die Teile
korrekt zusammengebaut sind oder bis die
Temperaturobergrenze des Belags überschritten wird.
Im ersteren Fall kann es bei überhöhten
Temperaturen zu unkontrollierten
Materialübertragungen kommen, wenn die Schicht auf
der Scheibe zuvor nicht unter "normalen"
Umständen gebildet wurde. Die alten organischen und
halb-metallischen Beläge haben mehr
Abnutzungs-Reibung gezeigt und waren daher in ihren
Hochtemperatur-Eigenschaften stark eingeschränkt.
Alle Beläge der aktuellen Generation aus
"metallischem Karbon" sind auf anhaftende
Reibung ausgelegt, was sowohl für die im Rennsport
als auch bei höherwertigen Straßenfahrzeugen
verwendeten Klötze zutrifft. Diese kommen mit einer
wesentlich größeren Temperaturspanne zurecht.
Leider gibt es nichts umsonst und so kommt es, daß
diese Hochleistungs-Rennbeläge bei den niedrigen
Temperaturen, die im normalen Straßenverkehr
auftreten, unwirksam sind.
Es gibt ihn also nicht
- den idealen Allround-Bremsklotz. Das
Reibungsmaterial, das bei vergleichsweise niedrigen
Temperaturen im Stadtverkehr ordentlich und leise
funktioniert wird das scharf gefahrene Fahrzeug nicht
zum Stehen bringen. Wenn Sie versuchen sollten,
mehrere Autos mit Erstausrüster-Belägen schärfer
zu fahren, wird es zu Fading, Belagabnutung und
siedender Flüssigkeit kommen. Punktum. Der echte
Rennbremsklotz wird unter normalen Bedingungen starke
Geräusche machen und bei niedrigen Temperaturen
nicht gut funktionieren.
Idealerweise sollten
wir unsere Bremsklötze wechseln, bevor wir uns in
waghalsige Fahrmanöver stürzen um zu vermeiden,
daß wir uns mit kreischenden Bremsen, die das Auto
nicht wirklich verlangsamen herumärgern müssen oder
aber daß wir auf der Rennstrecke mit Fading zu
kämpfen haben oder mit zu hoher Geschwindigkeit
einen Abhang herunter kommen. Diesen Wechsel macht
aber niemand. Die Frage bleibt: welche Beläge
sollten in Hochleistungs-Straßenfahrzeugen verwendet
werden? Niedertemperatur-Straßen-Klötze oder
Hochtemperatur-Rennbremsklötze? Meine Ansicht ist
ziemlich eigenartig: ein Hochleistungs-Straßen-Klotz
mit guten Niedertemperatur-Eigenschaften. Die
Begründung ist einfach: Wenn wir wirklich scharf
fahren und uns langsam aber sicher mit Bremsfading,
siedender Flüssigkeit oder beidem in Gefahr begeben,
dann entstehen diese Zustände langsam genug, daß
wir unsren Fahrstil entsprechend anpassen können, um
das Problem zu kompensieren. Sollte auf der anderen
Seite eine Gefahrensituation mit kalten Belägen
auftreten, dann wäre ein Hochtemperatur-Belag
einfach nicht in der Lage, das Fahrzeug ausreichend
zu verzögern. Nur als Beispiel: in den 60ern bei den
"Shelby-Americans" (muß eine
US-amerikanische Rennserie gewesen sein) haben wir
deswegen keine Mustangs "GT350" oder
"GT500" (diese waren mit "Raybestos
M-19" Rennbremsklötzen ausgestattet) als
Firmenwagen gefahren, weil unsere Frauen einfach
nicht die Kraft hatten, die im Alltagsverkehr
nötigen Pedalkräfte aufzubringen.
Egal, aus welchen
Materialien die Klötze gemacht sind, wenn die
Bremsscheiben und -klötze nicht richtig eingebremst
sind kann es zu willkürlichen Materialübertragungen
und damit zu ungleichmäßigen Ablagerungen und
Vibrationen beim Bremsen kommen. Ebenso kann es
passieren, daß selbst wenn die Komponenten gut
eingebremst wurden, sie bei hoher Temperatur oder
nach einer langen Bremsung aus hoher Geschwindigkeit
angepreßt bleiben wenn das Fahrzeug steht, ein
exakter Abdruck des Klotzes auf der Bremsscheibe
entsteht. Das sieht dann aus, als ob man den Belag
mit Tinte getränkt und dann wie zum Abstempeln einer
Briefmarke auf die Bremsscheibe gedrückt hätte. Man
sieht dabei den genauen Umriß des Klotzes auf der
Scheibe.
Aber es wird noch
schlimmer. Gußeisen ist eine Legierung aus Eisen und
Silizium in der sich eingelagerte
Kohlenstoff-Partikel befinden. Bei höheren
Temperaturen bilden sich in dem Kristallgitter
Einlagerungen von Karbid. Im Fall der Bremsscheibe
wird jede ungleichmäßige Ablagerung - die aus der
Oberfläche heraus steht - wärmer als das Metall,
das sie umgibt. Jedes Mal, wenn die vordere Kante der
Ablagerung am Klotz vorbeischleift und ihn berührt
steigt die Temperatur an dieser Stelle. Zwischen 1200
und 1300 Grad Fahrenheit (ca. 650 und 700°C) wandelt
sich dann das Gußeisen unter dieser Ablagerung in
Zementhit, ein Eisen-Karbid, bei dem drei Eisen-Atome
mit einem Kohlenstoff-Atom verbunden sind. Zementhit
an sich ist sehr hart und abrasiv aber auch ein
schlechter Wärmeleiter. Bei sehr starker
Beanspruchung wird sich dieser Prozeß immer weiter
selbst unterstützen: die Menge und Tiefe des
Zementhit wird immer größer je höher die
Temperatur wird und somit wird auch die Bremse immer
"holpriger".
Vorbeugung:
Diese Dinge lassen sich nur auf eine Art und Weise
vermeiden - die Einhaltung eines ordentlichen
Einbremszyklus sowohl für Scheiben als auch
Bremsklötze bei gleichzeitiger Verwendung des
richtigen Belagstyps für Ihren Fahrstil und Ihre
Fahrbedingungen. Alle Hochleistungsbremsscheiben und
-klötze, die im Zubehörmarkt verkauft werden,
sollten sowohl mit Einbau- als auch
Einbrems-Anleitungen geliefert werden. Die
Vorgehensweise ist dabei für alle Hersteller so
ziemlich die gleiche: Mit Rücksicht auf die Klötze
müssen die bindenden Harze relativ langsam
abgebrannt werden, um Fading und ungleiche
Ablagerungen zu vermeiden. Das erreicht man mit
mehreren, immer stärker werdenden Bremsungen mit
jeweils einer kurzen Abkühldauer dazwischen. Nach
der letzten Bremsung sollte man die Bremsanlage auf
Umgebungstemperatur abkühlen lassen. Eine Serie von
zehn zunehmend scharfen Bremsungen von 100 auf 10
km/h mit normaler Beschleunigung dazwischen sollte
für einen typischen Hochleistungs-Straßenbremsklotz
geeignet sein. Man sollte während des
Einbremsvorgangs das Fahrzeug nicht ganz anhalten,
also überlege man sich eine Stelle, die für die
eigene Sicherheit und die von anderen geeignet ist.
Sollte man doch anhalten müssen, bevor das
Einbremsen abgeschlossen ist, kann es zu ungleicher
Übertragung von Belagsmaterial oder Abdrücken auf
der Bremsscheibe kommen und genau das soll die ganze
Sache ja vermeiden. Game Over.
Um die "Stärke" der Bremsung(-en) zu
spezifizieren: Typischweise werden ABS-Systeme bei
Verzögerungen um 0,9g (g = 9,81m/s2) aktiv, je nach
Fahrzeug. Die zum Einbremsen geeignete Verzögerung
liegt bei etwa 0,7g bis 0,9g. Das entspricht einer
Bremsverzögerung nahe aber doch unterhalb des
Blockierens oder des Einschreitens vom ABS. Zwischen
der fünften und siebten Bremsung sollten die Beläge
"riechbar" sein, was jedoch bis zum letzten
Mal wieder abnehmen sollte. Eine graue, pulverartige
Zone wird an der Kante des Belages sichtbar sein, die
mit der Bremsscheibe in Kontakt kommt. Dort und nicht
an der Grundplatte verbrennen Farbe und Harze des
Klotzes. Wenn diese graue Zone etwa 1/8 Zoll (ca.
3,2mm) dick wird, ist der Klotz eingefahren. Für
einen typischen Rennbelag wären eher vier Bremsungen
von 150 auf 10 km/h geeignet und zwei von 170 auf 10
km/h - abhängig vom Belag - um das Material auf die
optimale Betriebstemperatur zu bringen. Somit kann
das Material für die höhere Temperatur seine
Schicht gänzlich und gleichmäßig auf der
Oberfläche der Scheibe aufbauen.
Zum Glück ist die
Prozedur auch gut für die Scheiben, da auf diese
Weise alle vom Gießen übrigen Spannungen abgebaut
werden. (Alle Scheiben sollten spannungsarm geglüht
werden als einer der letzten Herstellungs-Schritte.)
Wenn möglich sollten neue Bremsscheiben mit
gebrauchten Klötzen eingefahren werden, die aus der
selben Mischung bestehen, aus der auch die
zukünftigen Klötze gemacht sind. Wieder sollte dem
System die Hitze langsam ansteigend zugeführt
werden: zunehmend starke Bremsungen mit Abkühlzeiten
dazwischen. Einer der Aspekte ist es, einen zu langen
Kontakt von Bremsklotz und -scheibe zu vermeiden.
Klötze, die auf Abnutzung ausgelegt sind und bei
Hochleistungsfahrzeugen nicht eingesetzt werden
sollten, können als eingefahren betrachtet werden,
wenn die Reibflächen eine gleichmäßig blaue Farbe
angenommen haben. Bei den Belägen aus Metall und
Kohlenstoff trifft das eher zu, wenn die Reibflächen
der Bremsscheibe gleichmäßig grau oder schwarz
geworden sind. Auf jeden Fall sollte eine komplett
eingebremste Scheibe immer gleichmäßig eingefärbt
sein.
Je nach
Zusammensetzung des Reibmaterials kann es bei
"schonender" Beanspruchung der Bremse durch
die abrasive Wirkung der Klötze zum Abnutzen der
übertragenen Schicht kommen. Wenn wir ein Fahrzeug
einbremsen wollen, das eine Weile gemütlich gefahren
wurde, kann man eine ungleichmäßige Ablagerung von
Belagmaterial auf der Scheibe verhindern, in dem man
eine partielle Einbremsung durchführt.
Eine Ablagerung oder
eine Schwankung der Materialstärke von 1 Hundertstel
Millimeter ist für den Fahrer spürbar, bei 2,5
Hundertstel wird es lästig und darüber ist es nicht
mehr auszuhalten. Wenn es dann mal Ablagerungen gibt,
dadurch daß es isolierte Stellen gibt, die aus der
Oberfläche der Bremsscheibe herausragen und die
wesentlich heißer als ihre Umgebung werden, bildet
sich garantiert Zementhit und damit verändern sich
die Abnutzungseigenschaften an diesen Stellen. Das
wiederum hat immer stärkere Schwankungen der
Bremsscheibendicke und der Oberflächenrauhigkeit zur
Folge.
Lassen Sie nie Ihren Fuß auf dem Bremspedal nach
einer starken Bremsung, abgesehen von einer
ordentlichen Einbremsung wie oben beschrieben. Im
normalen Straßenverkehr stellt das kaum ein Problem
dar weil hier die Bremsen Zeit haben abzukühlen,
bevor das Fahrzeug angehalten wird. (Es sei denn, man
lebt wie der Autor am Fuß einer langen, steilen
Bergstraße.) Darauf kommt es bei jeder Art von
Rennsport an, auch beim Autocross. Wenn die Klötze
auf eine heiße, still stehende Bremsscheibe gepreßt
werden, wird es immer zu Materialübertragung und
einer spürbar "rauen Bremse" kommen, egal
aus welchen Material die Reibflächen der
Bremsklötze gemacht sind. Und, was noch schlimmer
ist: der Klotz hinterläßt seinen Abdruck oder
Umriß auf der Bremsscheibe und Ihre Sünde wird für
alle Welt sichtbar sein.
Die offensichtliche
Frage lautet nun: "Gibt es eine
"Heilung" für Bremsscheiben mit
ungleichmäßigen Materialablagerungen?" Die
Antwort ist ein eingeschränktes "Ja". Wenn
die Vibrationen gerade erst angefangen haben könnte
es ein, daß die Temperatur, bei der sich das
Zementhit bildet, noch gar nicht erreicht wurde. In
diesem Fall kann man das Bremssystem ganz einfach
wieder herstellen, indem man einen Satz gute,
halbmetallische Klötze einbaut und diese (wenn sie
eingefahren sind) richtig beansprucht. So lassen sich
Ablagerungen entfernen und man hat etwas bessere
Beläge. Solange nur eine kleine Menge Material
übertragen wurde, z.B. wenn die Vibrationen gerade
erst anfangen, kann man unter Umständen die
Ablagerungen durch energisches Scheuern mit
Löschpapier entfernen. Da diese Ablagerungen häufig
für unsere Augen nicht sichtbar sind, muß die ganze
Reibfläche gewissenhaft behandelt werden. Normales
Schleifpapier oder Schmirgelleinen sollten vermieden
werden, da die Bestandteile an Aluminiumoxid in die
Oberfläche des Gußeisens eindringen und die
Zustände verschlechtern würden. Aus dem gleichen
Grund sollten die Scheiben auch nicht sandgestrahlt
werden.
Die einzige
Möglichkeit, ungleichmäßige Ablagerungen
loszuwerden besteht darin, die Scheiben auszubauen
und sie ab-hohnen zu lassen. Das ist weniger teuer
als vielmehr umständlich. Eine frisch gehohnte
Bremsscheibe sollte auf die gleiche Weise eingefahren
werden wie eine fabrikneue. Die Schwierigkeit bei
dieser Strategie: sollte es durch das Abschleifen
nicht gelingen, alle Zementhit-Einschlüsse zu
entfernen, dann würde der ganze Prozeß der
Temperatur-Spirale von vorne beginnen, weil durch das
Abnutzen des relativ weichen Gußeisens der Scheibe
die sehr harten Zementhiteinlagerungen wieder aus der
Oberfläche herausstehen würden. Leider ist der
Zementhit für das bloße Auge nicht sichtbar.
Wer sich die Zeit nimmt, seine Bremsanlage richtig
einzufahren, wird dadurch reichlich belohnt. Aber wie
das bei den meisten Sünden der Fall ist, fangen die
Probleme genau dann wieder an, wenn man den
ursprünglichen Fehler aufs Neue macht.
Mythos Nummer
2: Renn-Bremsscheiben werden aus Stahl gefertigt.
Um einen Moment
abzuschweifen: "Bremsscheiben aus Stahl"
sind ein falscher Begriff, der gerne von Leuten
benutzt wird, die es eigentlich besser wissen
sollten. Dazu zählen TV-Kommentatoren ebenso wie
befragte Rennfahrer. Abgesehen von einigen
Motorrädern und Gokarts (sowie einigen
Supersportwagen wie dem Porsche 996 Turbo, Anmerkung
des Übersetzers) werden alle
"eisenhaltigen" Bremsscheiben aus Gußeisen
hergestellt - ein hervorragend dafür geeignetes
Material. Stahl weist zwar eine bedeutend höhere
Zähigkeit auf, dafür ist Gußeisen um ein
vielfaches härter als es für Bremsscheiben
eigentlich nötig wäre. Seine Wärmeleitfähigkeit
ist erheblich besser als die von Stahl, so daß die
beim Bremsen entstehende Reibwärme sehr wirkungsvoll
von den äußeren Reibflächen in Richtung Innenseite
der Scheibe und damit zu den Kühlrippen abgeleitet
und damit an die umgebene Luft abgegeben wird. Teile
aus Gußeisen sind bei hohen Temperaturen
dimensions-stabiler und leiten die Wärme besser als
Stahl. Unterlassen Sie also bitte das Gerede von
"stählernen" Bremsscheiben.
Mythos Nummer
3: Wenn das Bremspedal nachgibt, dann liegt das am
Fading des Bremsklotzes oder -belages.
Das uns allen bekannte
"einfallende Bremspedal" tritt als Folge
von Überhitzung der Bremsflüssigkeit und nicht der
Beläge auf. Wiederholte starke Beanspruchung der
Bremsen kann zu Bremsfading führen, wobei man zwei
Varianten unterscheiden muß:
A) Wenn die zwischen Bremsklotz und -scheibe
entstehende Temperatur die Wärmekapazität des
Reibbelages überschreitet verliert dieser seine
Reibeigenschaften. Das liegt hauptsächlich am
Ausgasen der Klebstoffe des Belagmaterials. Das
Bremspedal gibt nicht nach, das Auto wird aber auch
nicht langsamer. Als erste Vorwarnung sollte ein
eigenartiger und unangenehmer Geruch genügen, damit
man es etwas gemächlicher angehen läßt.
B) Wenn die Bremsflüssigkeit in den Zylindern
siedet, bilden sich Gasblasen. Das Bremspedal wird
einfallen, weil sich das Gas beim Druck auf das Pedal
komprimiert. Möglicherweise läßt sich das Auto
mittels Pumpen der Bremse zum Stehen bringen aber
dosieren läßt sich die Bremse nicht mehr. Dabei
handelt es sich um einen langsamen Prozeß mit viel
Vorwarnung.
Mythos Nummer
4: Gesiedete Bremsflüssigkeit verhält sich ganz
normal nach dem Abkühlen.
Eine einmalig
gesiedete Flüssigkeit in den Bremszylindern hat
einen erheblichen Anteil ihres ursprünglichen
Siedepunktes eingebüßt und sollte ersetzt werden.
Man muß nicht die Flüssigkeit im ganzen System
auswechseln, lassen Sie nur so viel ab, bis saubere
Flüssigkeit erscheint.
Mythos Nummer
5: Bremsflüssigkeiten auf Silizium-Basis eigenen
sich für Hochleistungsfahrzeuge weil sie nicht
hygroskopisch (Feuchtigkeits-aufnehmend) sind.
DOT 3 und DOT 4
Bremsflüssigkeiten werden auf Ether-Basis
hergestellt und sind hygroskopischer Natur, d.h. sie
nehmen Wasserdampf auf. Da Bremssysteme nicht völlig
luftdicht sind, kann im Laufe eines Jahres eine
beachtliche Menge an Wasser aus der Umgebungsluft
absorbiert werden. Drei Prozent Wasser in der
Bremsflüssigkeit senken den Siedepunkt um 170°F
(73°C) ab. Daher sollte das Zeug jährlich komplett
ausgetauscht werden.
DOT 5 Flüssigkeiten werden auf Silizium-Basis
hergestellt, sind nicht hygroskopisch und das ist gut
so. Sie schäumen aber dafür bei hoch-frequenten
Schwingungen auf, was auch ein weiches Bremspedal zur
Folge hat. Das mag für normale Straßenfahrzeuge in
Ordnung sein (tatsächlich werden die meisten Fahrer
so etwas für normal halten) aber in Situationen, wo
der Fahrer die Bremskräfte auf hohem Niveau dosieren
muß, kann man das nicht akzeptieren.
Mythos Nummer
6: Der Bremsflüssigkeits-Vorrat sollte bei einer
Routine-Kontrolle aufgefüllt werden.
Bei den meisten
modernen Personenautos wird der Vorratsbehälter für
die Bremsflüssigkeit auf ein bestimmtes Volumen
ausgelegt und mit einem Schwimmer versehen. Dieses
Volumen steht im Verhältnis zu der
Flüssigkeitsmenge, die von den ausgefahrenen
Bremskolben benötigt wird, wenn die Klötze
abgefahren sind plus eine großzügige Reserve. Wenn
der Punkt des Ersetzens erreicht ist, soll der
abgesunkene Schwimmer einen elektrischen Stromkreis
schließen und damit erscheint eine Warnlampe im
Armaturenbrett als Hinweis für den Fahrer. Wenn aber
die Flüssigkeit zuvor aufgefüllt wurde erscheint
als erstes Warnzeichen für abgenutzte Beläge das
Kreischen der Grundplatten der Bremsklötze auf den
Scheiben. Das ist nicht nur lästig sondern es kann
auch teuer werden.